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Die raumwirtschaftlichen Wirkungen der Digitalisierung und ihre regional- und raumordnungspolitischen Implikationen

Leitung:Prof. Dr. Rolf Sternberg
Bearbeitung:Lukas Häfner
Laufzeit:2019 - 2024
Förderung durch:Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung
Bild Die raumwirtschaftlichen Wirkungen der Digitalisierung und ihre regional- und raumordnungspolitischen Implikationen

Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten für die Bevölkerung und Unternehmen in ländlichen Regionen, denn durch das Internet und darauf aufbauende digitale Technologien verlieren räumliche Entfernungen an Bedeutung – so lautet eine verbreitete These aus den Anfangsjahren der Digitalisierung. Diese These erfährt eine Wiederbelebung in der Debatte um „abgehängte“ Regionen und die großen Unterschiede in den regionalen Lebensverhältnissen, insbesondere zwischen ländlichen und städtischen Regionen. So geschieht der Ausbau der Internetinfrastruktur in bisher unterversorgten, überwiegend ländlichen Regionen auch mit der Hoffnung, dass diese ökonomisch auf städtische Regionen aufholen könnten. Diese könnte etwa durch deren Stärkung als Wohnstandort, das Hervorrufen von Unternehmensgründungen und der Eröffnung neuer Möglichkeiten für bestehende Unternehmen geschehen.

Während aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass die Digitalisierung tatsächlich ein wichtiger Faktor sein könnte, um der Abwanderung aus ländlichen Regionen entgegenzuwirken, ist es umstrittener, ob die Digitalisierung für Start-Ups und bestehende Unternehmen in ländlichen Regionen mehr (neue) Möglichkeiten bietet als in städtischen Regionen. Gegenargumente zur genannten These gibt es viele und da die Digitalisierung vielfältige Innovationsmöglichkeiten eröffnet, könnte sie im Gegenteil sogar zu einer Verschärfung der Unterschiede führen, da Städte als Zentren für Innovationen gelten. Quantitative empirische Studien kommen bisher zu uneinheitlichen Ergebnissen darüber, ob die Digitalisierung zu einem Aufholen der ländlichen auf die städtische Wirtschaftskraft beitragen kann. Einigkeit besteht in bisherigen Forschungsergebnissen aber darin, dass nicht das Vorhandensein der Infrastruktur, sondern die Art der Nutzung digitaler Technologien entscheidend für regionale Effekte ist. Entscheidend für deren Nutzung sind wiederum die regional vorhandenen Einstellungen und Digitalkompetenzen der Bevölkerung und der Erwerbstätigen in den Unternehmen. Somit sind Digitalkompetenzen in Zeiten der Digitalisierung ein zentraler Bestandteil des regionalen Humankapitals. Wie diese Digitalkompetenzen regional verteilt sind und wie die Bedeutung einzelner Aspekte davon regional variiert, ist bisher größtenteils unerforscht.

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, Digitalkompetenzen in Unternehmen, insbesondere auch hinsichtlich neu gegründeter Unternehmen, mittels qualitativer und quantitativer Methoden regional vergleichend zu erfassen und zu analysieren. Damit soll das Forschungsprojekt dazu beitragen, regionale Chancen und Risiken der Digitalisierung besser zu verstehen und eine Antwort auf die Frage geben, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Entwicklung unterschiedlicher Regionstypen und damit auf die Entwicklung der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse hat. Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt sollen EntscheidungsträgerInnen in der Politik, Verwaltung und Unternehmen dabei helfen, den rasanten digitalen Wandel gemeinwohlorientiert zu gestalten, beispielsweise durch die gezielte Stärkung ländlicher Regionen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Steuerungsmaßnahmen über den Ausbau der digitalen Internetinfrastruktur hinausgehen und insbesondere an den regionalen Digitalkompetenzen ansetzen müssen. Erkenntnisse darüber, wie diese Kompetenzen regional differenziert entwickelt werden sollten, stellen daher ein zentrales Ziel des Forschungsprojektes dar und sollen konkrete Vorschläge für die Regional-, Gründungs- und Wirtschaftspolitik für eine gemeinwohlorientierte Ausgestaltung der Digitalisierung ermöglichen.

Das Forschungsprojekt ist Teil des Zukunftslabors Gesellschaft und Arbeit im Zentrum für digitale Innovationen Niedersachsen (ZDIN). Im Zukunftslabor Gesellschaft und Arbeit arbeiten ForscherInnen verschiedener Disziplinen zusammen, um die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitsformen und Beschäftigung sowie die gesellschaftliche Organisation der Zukunft zu beleuchten und Hilfe zur Gestaltung zu bieten. Neben der Wirtschaftsgeographie sind VertreterInnen aus der Informatik und der Rechtsinformatik, dem Kommunikationsmanagement, der Kulturwissenschaft, der Soziologie und der Volkswirtschaftslehre im Zukunftslabor vertreten.

Publikationen

  • Haefner, L.; Sternberg, R. (2020): Spatial implications of digitization: State of the field and research agenda. Geography Compass, e12544. DOI: 10.1111/gec3.12544

Wissenschaftliche Vorträge

  • Häfner, L.: Digitalisation, spatial (in-)equality and innovation-based regional development: state of the art and research agenda. 5th Geography of Innovation Conference, Stavanger, Norway, 31.01.2020.
  • Häfner, L.: Digitalisation, spatial (in-)equality and innovation-based regional development: state of the art and research agenda. IIDEOS Colloquium, Hannover, 24.01.2020.

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