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Regionale technologische Pfade und Wissensverwandtschaftsbeziehungen in Deutschland – empirische Erfassung und regionalwirtschaftliche Auswirkungen

Leitung:Juniorprofessor Dr. Tom Brökel
Bearbeitung:Lars Mewes
Laufzeit:2016 - 2019
Förderung durch:Förderprogramm Pro*Niedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

Noch nie zuvor entstand in der Weltgeschichte in einer derartigen Geschwindigkeit neues Wissen wie heutzutage. Allein für das abgelaufene Jahr 2015 sind knapp zwei Millionen neue wissenschaftliche Publikationen erschienen, die im Web of Science registriert sind. Das sind ca. doppelt so viele wie noch vor zwanzig Jahren. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den aktuellen Patentzahlen wider, die einen Indikator für die industriellen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten darstellen. Dieser rasante wissenschaftliche Fortschritt führt zu vielfältigen technologischen Veränderungen, die Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche ausüben und darüber hinaus eine große Herausforderung für Regionen mit sich bringen. So ist es wichtig mehr darüber zu erfahren wie neues Wissen entsteht und wie der Niedergang alter Industrien durch das Heranwachsen neuer Branchen kompensiert werden kann.

Die wirtschaftsgeographische Forschung versucht dabei herauszufinden, wie, wo und unter welchen Gunstbedingungen neues Wissen entsteht. Dabei bedient sie sich unter anderem theoretischer Konzepte, die ihren Ursprung in der evolutionären Ökonomik haben – Routinen, Pfadabhängigkeiten, Relatedness (Verwandtschaft von Wissensarten). Insbesondere das Konzept der Relatedness ermöglicht die Betrachtung von Wissensentstehung aus einer Netzwerkperspektive und somit die empirische Analyse und visuelle Darstellung von Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Wissensarten über die Zeit. Studien aus der jüngeren Vergangenheit zeigen zudem, dass sich Regionen leichter in neue Technologien diversifizieren, wenn diese verwandt zum regionalen Portfolio sind. Die bisherigen Ergebnisse weisen demnach darauf hin, dass technologische Pfade existieren und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten einschränken.

Das aktuelle Forschungsprojekt knüpft an diese Forschung an und versucht diese in ausgewählten Teilbereichen zu erweitern. Hierfür werden die Wissensverwandtschaftsbeziehungen in vier unterschiedlichen Bereichen des Innovationsprozesses empirisch ermittelt. Diese vier Bereiche sind die akademische Grundlagenforschung, die öffentliche geförderte Forschung und Entwicklung (F&E), die industrielle Forschung und Entwicklung sowie das bereits im Arbeitsmarkt gebundene Wissen. In einem ersten Ziel kann so der Frage nachgegangen werden, wie diese vier Bereiche miteinander verflochten sind und ob sich bspw. durch die Analyse der akademischen Grundlagenforschung nachfolgende Trends in der industriellen Forschung und Entwicklung hervorsagen lassen. Regionen könnten sich so frühzeitiger auf bevorstehende Veränderungen einstellen. Existierende Studien haben diese einzelnen Bereiche bisher stets isoliert betrachtet. Ein weiteres Ziel des Forschungsprojekts wird es ein, den politischen Einfluss auf die Entstehung neuer Technologien empirisch zu messen. Um diese Frage zu beantworten, können Daten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BAMBF) über geförderte Innovationsprojekte  genutzt werden. Diese Daten erlauben eine umfangreiche Analyse sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht.

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich auch tiefergehend mit der Wissensentstehung im Land Niedersachsen. So erlauben die oben genannten Daten und Methoden eine umfangreiche Analyse niedersächsischer Regionen. Dadurch können z.B. zentrale Wissenserzeuger sowie –verbreiter identifiziert werden, die wichtig für den Standort Niedersachsen sind.

Publikationen

  • Mewes, L.; Broekel, T. (2017): Unrelated und Related Variety im Kontext öffentlicher F&E: empirische Evidenz aus deutschen Arbeitsmarktregionen. Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, 61(1): 23-37. DOI: 10.1515/zfw-2015-0584.

Wissenschaftliche Vorträge

  • Mewes, L.: The relation between city size and technological diversification. International PhD Workshop on Economic Geography. Utrecht, The Netherlands, 12.09.2016.
  • Mewes, L.: The complexity of technological knowledge. YEGN Workshop. Bern, Switzerland, 19.08.2016.
  • Mewes, L.: R&D policy and the technological diversification of regions. AAG Annual Meeting, Economic Geography Specialty Group: "Evolutionary Pathways: Make or Break". San Francisco, USA, 29.03.2016.
  • Mewes, L.: Regional related diversification. 30. Jahrestreffen Arbeitskreis Industriegeographie. Naurod-Niedernhausen, 12.11.2015.
  • Mewes, L.: Regional branching and the role of policy - an empirical approach. ARL Summer School "Winners and losers: Why are the effects of regional policy so different?". Prague, Czech-Republic, 25.08.2015.

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