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Kreatives Niedersachsen: Regionale Verteilung, räumliche Mobilität, Gründungspotenziale und ökonomische Relevanz der Kreativen (KNie)

Leitung:Prof. Dr. Rolf Sternberg
Bearbeitung:Dipl.-Geogr. Christoph Alfken, Dipl.-Geogr. Daniel Voßen
Laufzeit:2011 – 2015
Förderung durch:Förderprogramm Pro*Niedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

Karte Migration GeburtsorteRichard Florida hat mit seinem Konzept der „creative class“ maßgeblich dazu beigetragen, dass Wirtschaftsförderer und Stadtplaner vieler Städte ihre Aktivitäten auf die Anwerbung bzw. Unterstützung von „kreativen Branchen“ sowie kreativen Personen ausgerichtet haben. Zahlreiche Kreativ- oder Kulturwirtschaftsberichte von Städten, aber auch von Bundesländern oder des Bundes zeugen von der großen Popularität dieses Konzepts auch in Deutschland. Ähnlich wie zuvor beim Clusterkonzept hat die Wirtschaftspolitik schneller agiert als die empirische Forschung die Validität dieses Konzeptes für Regionen außerhalb der USA zu prüfen in der Lage war. Ein in der akademischen Welt noch nicht hinreichend analysiertes, mindestens aber umstrittenes Konzept wurde und wird hier sehr zügig in die wirtschaftspolitische Praxis übertragen – mit dem Risiko der Fehlallokation öffentlicher Ressourcen in Zeiten begrenzter Mittel der öffentlichen Haushalte. Das Projekt möchte am Beispiel Niedersachsens und ausgewählter Kommunen dazu beitragen, einen Teil der ganz offensichtlichen empirischen Forschungsdefizite zu beseitigen und u.a. mittels Individualdaten zu Kreativen selbst insbesondere deren räumliche Mobilität und  regionalökonomische Implikationen analysieren. Die postulierte hohe räumliche Mobilität (mit einer angenommenen Präferenz für Regionen mit Vorteilen bei „weichen“ Standortfaktoren), die vermeintlich überproportionale Gründungshäufigkeit von Kreativen und ihre – so die Annahme - stark positiven Effekte Kreativer für die ökonomische Entwicklung ‚ihrer’ Regionen stehen im Mittelpunkt dieses Projekts. Diese Themen hat Florida selbst nur für US-Agglomerationen und empirisch nur bedingt überzeugend analysiert. Die bisherigen empirischen Forschungsarbeiten in europäischen Regionen lassen niedersächsische Städte unberücksichtigt. Eine Übertragung der Ergebnisse anderer Länder scheint wenig sinnvoll.

Das Projekt hat einen explizit empirischen Schwerpunkt, denn in diesem Bereich liegt das größte Defizit der Forschungen zur ‚Kreativen Klasse’ und der Kreativwirtschaft. Auf Basis einer Kombination von quantitativen und qualitativen, teils im Rahmen des Projekts zu erhebender Daten, teils bislang für diesen Zweck nicht genutzter amtlicher Primärdaten werden vier zentrale Fragestellungen behandelt. Erstens soll die räumliche Verteilung der ‚Kreativen’ in Niedersachsen mit den aktuellsten Daten und Abgrenzungen unter statischer und dynamischer Perspektive beschrieben und erklärt werden. Zweitens dienen eigene Primärdaten zur räumlichen Mobilität der in Niedersachsen ansässigen ‚Kreativen’ der Erläuterung des Zusammenhangs zwischen räumlicher Verteilung und Mobilität. Die dritte Forschungsfrage thematisiert die regionalökonomischen Wirkungen der ‚Kreativen’ auf regionale Zielgrößen wie Beschäftigung, Unternehmenszahl, Betriebsgrößenklassen und Wertschöpfung. Viertens schließlich wird der Zusammenhang zwischen der Migration von Kreativen und deren Gründungsaktivität empirisch beleuchtet, also ein Fokus auf (regions)exogene Gründungen gelegt. Methodisch betritt das Projekt insofern Neuland als drei der vier Forschungsziele nur mit dem Fallstudienansatz und mittels Tiefeninterviews mit Kreativen in drei auszuwählenden urbanen Untersuchungsräumen (geplant sind Hannover, Göttingen, Osnabrück) erreichbar sind. Angesichts der zahlreichen in niedersächsischen Kommunen bestehenden oder derzeit entwickelten Kreativwirtschaftsstrategien lassen die Ergebnisse wertvolle Hinweise für die Bewertung, aber auch die Neukonzipierung solcher Strategien erwarten. Folglich zählen konkrete  kreativwirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen an die Adresse der Entscheidungsträger ebenfalls in den untersuchten Kommunen zu den expliziten Zielen dieses Projekts. Zu klären ist etwa, mittels welcher Maßnahmen Anzahl und Qualität der Kreativen in einer Kommune und deren regionalwirtschaftliche Effekte erhöht werden können. Pilotcharakter hat das Projekt insofern, als das zu entwickelnde Konzept der Erfassung und Bewertung von Kreativen potenziell auch auf andere, zunächst nicht detailliert untersuchte niedersächsische Kommunen übertragen werden kann.

Publikationen:

  • Alfken, C.; Voßen, D.; Sternberg, R. (2017): Wieviel Florida steck t in Niedersachsen? Zur empirischen Evidenz der “Creative Class” in einem deutschen Flächenland. Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie 61(1), 1-22. DOI: 10.1515/zfw-2016-0032.
  • Sternberg, R. (2017): Creativity support policies as a means of development policy for the Global South? A critical appraisal of the UNESCO Creative Economy Report 2013. Regional Studies 51(2),336-345. DOI: 10.1080/00343404.2016.1174844.
  • Alfken, C.; Brökel, T.; Sternberg, R. (2015): Factors explaining the spatial agglomeration of the Creative Class – Empirical evidence for German artists. European Planning Studies 23(12). 2438-2483. DOI: 10.1080/09654313.2014.979767.
  • Alfken, C. (2015): Ich will nicht nach Berlin! – Life course analysis of interregional migration behaviour of people from the field of design and advertising. Environment and Planning A, 47, 2187-2203 DOI:10.1177/0308518X15599287
  • Alfken, C. (2014): Creative Class vs. Individual Creativity. In: Bernhard, I. (Ed.): Geography of Growth. The Frequency, Nature and Consequences of Entrepreneurship and Innovation in Regions of Varying Density. (Proceedings of the 17th Uddevalla Symposium 2014), pp. 11-28. ( = Research Reports 2014:02, University West, Trollhättan, Sweden).
  • Hülz, M.; Voßen, D. (2013): Ebert, R.; Kunzmann, K. R.; Lange, B. (2012): Kreativwirtschaftspolitik in Metropolen. Detmold: Verlag Dorothea Rohn. ISBN 9783939486633. In: Raumforschung und Raumordnung 71(6): 509-510. Link
  • Sternberg, R. (2012): Learning from the Past? Why ‘Creative Industries’ Can hardly Be Created by Local/Regional Government Policies. In: Die Erde 143(4), 293-317.
  • Sternberg, R. (2011): Zur Kreierbarkeit von Kreativwirtschaften in Deutschland. In: Bekmeier-Feuerhahn, S.; van den Berg, K.; Höhne, S.; Keller, R.; Mandel, M.; Tröndle, M.; Zembylas, T. (Hrsg.): Kulturmanagement und Kulturpolitik. Jahrbuch Kulturmanagement 2011. Bielefeld: transcript Verlag, S. 221-242.

Wissenschaftliche Vorträge:

  • Sternberg, R.: Kreatives Niedersachsen? Empirische Evidenz und wirtschaftspolitische Implikationen des Creative Class - Konzepts. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Braunschweig 22. Juni 2016.
  • Alfken, C.: Creative class vs. individual creativity - A multilevel approach to the geography of creativity. 54th ERSA Congress, August 26-29, 2014, St. Petersburg, Russia.
  • Vossen, D.: Migration of the Creative Class in Germany. 54th European Regional Science Association Congress, 26.-29. August 2014. Saint Petersburg, Russia.
  • Alfken, C.: Creative class vs. individual creativity - A multilevel approach to the geography of creativity. 17th Uddevalla Symposium, 12.-14. June 2014. Uddevalla, Sweden.
  • Alfken, C.: Creative Class and The Big Five – Personality Traits, Occupations, and Geography. Jahrestreffen des Arbeitskreis Industriegeographie, 11.-12. Oktober 2013. Naurod-Niedernhausen.
  • Alfken, C.: Sources of Inspiration and Firm Performance – A Study of Entrepreneurs in Creative Industries. Workshop “Kollektive Identitäten und graduelle Transformation in Clustern der Kreativwirtschaft”. Universität Stuttgart, 01.07.2013.
  • Alfken, C.: Artists over time and space – empirical evidence from German regions. The Regional Studies Association Research Network “Creative Regions in Europe: Challenges and Opportunities”. Third Research Seminar. Kopenhagen, 18.04.2012.
  • Sternberg, R.: Kann und soll man Kreativwirtschaft fördern? Wie kreativ ist Hannover? Perspektiven der Kreativwirtschaft in der Region Hannover. Fachforum Kreativwirtschaft. Hannover, 03.02.2012.
  • Sternberg, R.: Macht Kreativwirtschaftspolitik Sinn? Forschungskolloquium Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie, Leibniz Universität Hannover. Hannover, 04.01.2012.

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