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Neues Forschungsprojekt

Die Digitalisierung ist ein Megatrend von hoher gesellschaftlicher und auch von hoher wirtschaftsgeographischer Relevanz. Nicht zuletzt in der Debatte um „abgehängte“ Regionen und die großen Unterschiede in den regionalen Lebensverhältnissen, insbesondere zwischen ländlichen und städtischen Regionen, gilt sie als große Chance. Da die Digitalisierung die Bedeutung von Entfernungen verändert, bringt sie neue Chancen für die Bevölkerung und Unternehmen(sgründungen) in ländlichen Regionen und könnte diesen eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Aufholen auf städtische Regionen bieten. Damit könnte die Digitalisierung auch zur Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse und zum Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft beitragen. Die Frage, ob der Internetausbau und die Digitalisierung tatsächlich zu einem ökonomischen Aufholen ländlicher auf städtische Regionen oder sogar zu einer Vergrößerung der Unterschiede führt, ist Gegenstand des neuen wirtschaftsgeographischen Forschungsprojekts „Die raumwirtschaftlichen Wirkungen der Digitalisierung und ihre regional- und raumordnungspolitischen Implikationen“.

Die Forschung kommt bei dieser Fragestellung bisher zu uneinheitlichen Ergebnissen. Das liegt unter anderem daran, dass durch die Digitalisierung gegenläufige Effekte wirken. Unternehmen in ländlichen Regionen könnten, neben der Steigerung der Produktivität, insbesondere von neuen Informations-, Kooperations- und Absatzmöglichkeiten profitieren. Unternehmen in städtischen Regionen könnten, möglicherweise mehr als Unternehmen in ländlichen Regionen, insbesondere von vielfältigen Innovationsmöglichkeiten profitieren, weshalb sich die räumlichen Unterschiede auch vergrößern könnten. Einigkeit besteht in der bisherigen Forschung darin, dass regionsunabhängig nicht das Vorhandensein der Infrastruktur, sondern die regional vorhandenen Einstellungen und Digitalkompetenzen der Bevölkerung und der Erwerbstätigen in den bestehenden und neu zu gründenden Unternehmen zentral für die Generierung von Digitalisierungsvorteilen sind. Um Aussagen über die künftigen raumwirtschaftlichen Wirkungen der Digitalisierung treffen zu können, müssen also die regionalen Digitalkompetenzen erfasst und deren Rolle besser verstanden werden. Bisher fehlen zuverlässige regionale Erfassungen dieser Kompetenzen und insbesondere die Bedeutung unterschiedlicher Aspekte in Abhängigkeit des räumlichen Kontextes ist bislang weitgehend unerforscht.

Im kürzlich bewilligten, für fünf Jahre finanzierten Forschungsprojekt, geleitet von Prof. Rolf Sternberg und bearbeitet von M.A. Lukas Häfner, stehen die raumwirtschaftlichen Wirkungen der Digitalisierung und ihre regional- und wirtschaftspolitischen Implikationen im Fokus. Das neue Forschungsprojekt hat zum Ziel, Digitalkompetenzen  mittels qualitativer und quantitativer Methoden regional vergleichend zu erfassen und zu analysieren. Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt sollen EntscheidungsträgerInnen in der Politik, Verwaltung und Unternehmen dabei helfen, den rasanten digitalen Wandel gemeinwohlorientiert zu gestalten.

Das Forschungsprojekt ist Teil des Zukunftslabors Gesellschaft und Arbeit im Zentrum für digitale Innovationen Niedersachsen (ZDIN). Im Zukunftslabor Gesellschaft und Arbeit arbeiten ForscherInnen verschiedener Disziplinen zusammen, um die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitsformen und Beschäftigung sowie die gesellschaftliche Organisation der Zukunft zu untersuchen und Hilfe zur Gestaltung zu bieten. Neben der Wirtschaftsgeographie sind VertreterInnen aus der Informatik und der Rechtsinformatik, dem Kommunikationsmanagement, der Kulturwissenschaft, der Soziologie und der Volkswirtschaftslehre im Zukunftslabor vertreten.